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Stadt Heimbach

Pfarrkirche St. Clemens

Die barocke Pfarrkirche St. Clemens beherbergte lange Zeit das Gnadenbild, das Heimbach zu einem Pilgerort werden ließ. Heute bildet sie eine bauliche Einheit mit der Wallfahrtskirche St. Salvator.

Kirchenschiff

Das Kirchenschiff mit einer Länge von 27,80 m und einer Breite von 9,60 m ist mit einem stark profiliertem Kreuzgewölbe überspannt, dessen Rippen sich mit breiten Gurtbögen über den schweren Gesimskapitellen treffen. Diese ruhen auf flachen Wandvorlagen. Durch die für den Eifelraum typischen gotisierende Überwölbung hat der Raum ein mittelalterliches Gepräge bewahrt.

Ausstattung

Die Ausstattung entstammt jedoch ganz der Bauzeit, dem ersten Viertel des 18. Jh.. Sie ist mit Hochaltar, zwei Nebenaltären und Kanzel für den rheinischen Raum bemerkenswert komplett erhalten. Die in grau und silber gehaltene Fassung gibt dem Raum einen vornehm-festlichen Charakter.

Der Hochaltar wird beherrscht vom Altarbild des Niederländers Pieter Soutmann (um 1580 - 1657). Es handelt sich um eine Kopie der Kreuzabnahme von Pieter Paul Rubens in der Kathedrale zu Antwerpen. Rechts und links des Altarbildes stehen in seitlich vorgezogenen Nischen zwischen reich geschmückten korinthischen Säulen die Statuen der hl. Scholastika und des hl. Benedikt. Die Seitenabschlüsse mit Blumen- und Rankendekor sowie die Krone aus gedrehten Akanthusranken vertiefen den festlichen Eindruck des Altaraufbaus. Auf seiner Spitze steht in einer von Strahlen umgebenen Scheibe das Monogramm IHS, die ersten drei Buchstaben des Namen Jesus in griechischer Schrift. Zwischen den Ranken und am unterer Ende des Aufbaus sieht man Putten mit Leidenswerkzeugen, den arma Christi (Waffen Christi).

In der Mitte der siebenstufigen, dem Leuchter- und Blumenschmuck dienenden Altarstaffel steht der doppelstöckige Tabernakel mit dem von Säulen umstandenen Ostensorium für die Aussetzung des Altarssakraments in der Monstranz. Der Tabernakel wird bekrönt durch die Figur eines Pelikans, ein im Barock verbreitetes Christussymbol. Zu beiden Seiten des Tabernakels stehen zwei Leuchter tragende Engelsfiguren des 15. Jh.. Der Altar ist wie die ganze Kirche dem hl. Clemens, außerdem dem hl. Josef, dem Apostel Matthias sowie weiteren Heiligen geweiht.

Statuen der genannten Heiligen aus der Bauzeit der Kirche sind an den Wandpfeilern angebracht: vorne links der hl. Clemens mit der Tiara, rechts der hl. Matthias mit seinem Marthyriumswerkzeug, einem Beil, hinten rechts der hl. Josef; ihm gegenüber befindet sich die Statue des hl. Antonius von Padua (Ende 18. Jh., möglicherweise aus der ehemaligen Burgkapelle).

Zurück zum Chor: Rechts und links neben dem Altar sind zwei Türen mit reich geschnitzten Beichtgittern eingefügt. Ehemals führten sie in die jetzt nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dienende Sakristei hinter dem Chor. Die Türen werden von Reliquiaren bekrönt. Die aus der gleichen Zeit stammenden, im Unterbau leider verunstalteten Seitenaltäre runden das barocke Ensemble im Chor ab. Sie tragen keine Bilder, sondern dienen ausschließlich der Aufstellung von Reliquiaren. Von besonderem Interesse sind die Reliquienbüsten der hl. Agnes und Thekla aus dem 15. Jh. sowie der in Münstereifel verehrten hl. Chrysanthus und Daria aus der Zeit um 1500, alle in barocker Fassung. Auch die in der Mitte aufgestellten Figuren der hl. Barbara (links) und der hl. Katharina von Alexandrien entstammen dem Spätmittelalter.

Der barocke Raumeindruck wird nicht zuletzt durch die prächtige Kanzel der 18. Jh. hervorgebracht, deren Treppenaufgang und sechseckiger Kanzelkorb ähnliche, formale aber etwas strengere Akanthusornamente wie der Hochaltar aufweisen. Auch die Rückwand und der Schalldeckel tragen reichen Schmuck. Letzterer wird ähnlich wie der Hochaltar von Akanthusgirlanden überspannt, in deren Zenit eine spätmittelalterliche Figur des Salvators steht.

Der hintere Teil der Kirche wird durch die architektonisch reizvolle dreigliedrige Orgelempore beherrscht, an der ein Porträtkopf (Christus?) auffällt. Unter der Empore hat der barocke, becherförmige Taufstein Aufstellung gefunden. Er wurde laut der Inschrift von vier Ehepaaren im 17. Jh. gestiftet.

Die zweimanualige Orgel mit 22 Registern wurde von Michael Dauzenberg aus Linnich 1879 erbaut. Sie stellt mit ihrer vollständig erhaltenen Pfeifensubstanz , Schleifladen und mechanischer Traktur, dem neugotischen Eichenholzgehäuse sowie dem originalen Balsebalg ein wertvolles historisches Instrument in der Eifeler Orgellandschaft dar.

Die rückwärtige Tür führt in das Untergeschoss des Turms. Das romanische Fenster an der Südwand ist mit einer suggestiven Darstellung der drei sog. theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe nach einem Entwurf von Georg Meistermann (1911 - 1990) verglast.

Auf der Nordseite ist in einer Nische eine Heilig-Grab-Gruppe, eine niederrheinische Arbeit aus der Zeit um 1500, aufgestellt, die aus Mariawald stammt. Es handelt sich um drei ca. 90 cm große, neugefasste Frauengestalten mit Salbgefäßen sowie um eine expressive, weitgehend original erhaltene lebensgroße Christusgestalt. Solche Figuren fanden früher Verwendung in der Liturgie der Kar- und Osterwoche.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Raimond Spekking, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
  • Raimond Spekking, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons